Die Tour du Mont-Blanc

Flora

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Das Mont-Blanc-Massiv, wo ein saurer Boden vorherrscht, die Abhänge schroff und durch die Gletscher glatt sind, ist kurz gesagt ziemlich arm, was dir Flora angeht. Das Umland ist reicher und interessanter, da der Erdboden häufig aus Bündner Schiefer oder aus kalkhaltigen Felsen entsteht und die Lebensumstände für die Pflanzen, obwohl die Charakteristiken eines sauren Bergmilieus bestehen bleiben, weniger extrem sind.

Auch wenn in verschiedenem Ausmaß, wird der Wechsel an Bodentypologien verschiedenen Ursprungs überall deutlich. In den meisten Fällen sind die Arten, die wir während eines Ausflugs in Frankreich zu Gesicht bekommen die gleichen, wie wir in der Schweiz oder in Italien bewundern können, mit einigen signifikanten Ausnahmen: Der Alpen-Enzian ist zum Beispiel auf den Abhängen der Schweiz und Frankreichs zu finden, wird aber nicht im Aostatal gemeldet.

Die typischsten Vegetationsstufen im Mont-Blanc-Raum sind folgende: Die subalpine Stufe, wo der Wald mit Nadelholzgewächsen vorherrscht, wo hauptsächlich Fichten und Lärchen vorzufinden sind; die alpine Stufe, charakterisiert durch die Almwiesen, die sich nach oben hin lichten und zu Pionierschollen werden; die nivale Stufe und darüber der ewige Schnee.

Im Niederholz der subalpinen Stufe sind zahlreiche Arten zu finden. Eine der auffallendsten ist der Venusschuh (Paphiopedilum), eine seltene und wunderschöne Orchidee, der Türkenbund (Lilium martagon) und die Alpen-Akelei (Aquilegia alpina).

Tritt man in einen Streifen, wo reichlich Sträucher wie Rhododendron und Heidelbeeren vorhanden, spielt  die subalpine Stufe nach oben in die alpine Stufe. Auf den Almwiesen sind verbreitet Arten mit einer aufsehenerregenden Blüte zu finden, darunter die beiden vikariierenden Arten des stängellosen Silikat-Enzians (Gentiana acaulis) und des Clusius-Enzians (Gentiana clusii), das berühmte Edelweiß und die seltene Strauss-Glockenblume (Campanula thyrsoidea).

Unter den seltenen Pflanzen, die man auf der nivalen Stufe finden kann, gibt es zwei, die den Höhenrekord im gesamten Alpenraum halten: Der Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) und der zweiblütige Steinbrech (Saxifraga biflora).

In den drei Ländern besteht eine Gesetzgebung sowohl hinsichtlich der Fauna als auch der Flora, die die Arten gemäß ihrer entsprechenden Vulnerabilität schützt. Der Mont-Blanc-Raum versucht mit seiner Arbeitsgruppe für die empfindlichen Gebiete, auf den drei Abhängen des Massivs lokale und koordinierte Schutzmaßnahmen zu ermitteln.

Es ist darüber hinaus möglich, sich durch einen Besuch der in den drei Ländern eingerichteten Alpengärten ein Bild von der Flora des Mont-Blanc-Raums zu machen. Die Bewegtheit eines Ausflugs in die Natur kann nicht ersetzt werden, der Besuch eines Alpengartens kann sich jedoch nichtsdestoweniger als sehr nützlich erweisen, da die Pflanzen eingeordnet werden und daher leicht zu erkennen sind.